Kompetenzorientierung ist das Zauberwort in der aktuellen Bildungs- und Personaldiskussion. Wird die Personalentwicklungsdebatte schon länger von der Vorstellung, Kompetenzen zu messen und „managen“ geprägt, so ist im Bildungsbereich der Kompetenzbegriff noch einmal durch die Reformen der europäischen Bildungspolitik verstärkt worden. Zum einen enthält er ein verändertes Steuerungsverständnis im Sinne des Wechsels von der Input- zur Outcomesteuerung. Zum anderen bringt er auch ein verändertes didaktisches Grundverständnis im Sinne des Wechsels „from learning to performing“ zum Ausdruck. Es rückt die Begleitung der Lernenden bei der persönlichen Kompetenzentwicklung und eine diesen Prozess unterstützende Rolle der Lernprozessbegleitenden in den Mittelpunkt.
Da Kompetenzorientierung sowohl im Wirtschafts- als auch im Bildungsbereich thematisch-konzeptionell eine wichtige Rolle spielt, insbesondere an deren Schnittstelle im Bereich Weiterbildung, erhöht dies die Chance zu einer Verständigung beider Systeme. Begleitet ist die Diskussion auch durch die Forderung nach vermehrter Durchlässigkeit zwischen verschiedenen Bildungsbereichen, aber auch zwischen dem betrieblich-beruflichen Bereich und dem Bereich formaler Bildungseinrichtungen. Eine sinnvolle Unterstützung des notwendig gewordenen lebenslangen Lernens erscheint nur dann möglich, wenn tatsächlich die Lernenden in den Mittelpunkt der Betrachtungen gestellt werden und von ihren – bereits vorhandenen bzw. weiter zu entwickelnden – Kompetenzen aus gedacht wird. Kompetenzorientierung bedeutet auch, sich von einer engen rein kognitiven Interpretation von Kompetenzen frei zu machen und den Kompetenzbegriff um soziale, methodische und personale Dimensionen zu erweitern. Neben der Diagnose von Kompetenzen geht es auch darum, Kompetenzen in ihrer ganzen Breite in angemessener Form zu zertifizieren. Dafür reichen die bisherigen Zeugnisse formaler Bildungseinrichtungen nicht aus.
Kompetenzorientierung ernst genommen ermöglicht einen innovativen Zugang zum Lernen Erwachsener und ergibt eine gemeinsamen Bezugspunkt für die Verknüpfung unternehmensinternen Aus- und Weiterbildungsbemühungen mit den Angeboten formaler Bildungseinrichtungen.
Die Kompetenzplattform versteht sich als offenes, informelles Forum, welches einen institutionalisierten Austausch zwischen Theorie und Praxis ermöglicht. Dabei wird das Ziel verfolgt, die Praxis von Kompetenzmanagement unterschiedlicher Organisationen aus verschiedenen Branchen einer gemeinsamen Reflexion von Wissenschaft und Wirtschaft zu unterziehen. Dabei teilen die Mitglieder der Kompetenzplattform, trotz des gegenwärtig facettenreich genutzten und interpretierten Kompetenzbegriffs, ein gemeinsames Verständnis von Kompetenz als Handlungsfähigkeit in ergebnisoffenen Situationen.
Durch die Diskussion von Good-Practice-Beispielen, Veranstaltungen und Begleitforschung soll der Austausch zwischen der Praxis und der wissenschaftlichen Theorie intensiviert sowie eine Professionalisierung des Kompetenzmanagements durch den Dialog mit der Wissenschaft vorangetrieben werden. Als spannendes, zukünftig zu berücksichtigendes Betätigungsfeld wird die Verbindung von organisationaler und individueller Kompetenzentwicklung betont.
Die umsetzungsorientierte Kompetenzplattform trifft sich regelmäßig mit wechselnden Gastgebern. Die Mitgliedschaft ist kostenlos, aber nur auf persönlichen Vorschlag hin möglich.